Die Odyssee ist weit mehr als eine Abenteuergeschichte. Für Frank Lassner ist sie eine Ausbildung ihres Helden Odysseus, in der er lernt, Frauen auf Augenhöhe zu begegnen. Gleichzeitig erzählt seine Irrfahrt davon, wie schwer es sein kann, dem eigenen Weg treu zu bleiben. Immer wieder begegnet Odysseus Menschen, Göttern, Ungeheuern und Verlockungen, die ihn von seinem Ziel abbringen wollen. Doch trotz aller Umwege verliert er nie aus den Augen, wohin er am Ende zurückkehren will.

Odysseus ist König der Insel Ithaka und einer der berühmtesten Helden der griechischen Mythologie. Zehn Jahre hat er im Trojanischen Krieg gekämpft und entscheidend zum Sieg der Griechen beigetragen. Doch während die anderen Überlebenden die Heimreise antreten, beginnt für Odysseus eine weitere, zehn Jahre dauernde Irrfahrt. Homers Odyssee erzählt von seinem Versuch, nach Ithaka und zu seiner Frau Penelope zurückzukehren.
Auf seiner Reise begegnet Odysseus einigen der bekanntesten Gestalten der griechischen Mythologie. Er entkommt dem menschenfressenden Kyklopen Polyphem, widersteht dem Gesang der Sirenen und gelangt zur Zauberin Kirke, die seine Kameraden in Schweine verwandelt. Er zieht den Zorn des Meeresgottes Poseidon auf sich. Immer wieder gerät er in Lebensgefahr, verliert schließlich alle seine Gefährten. Sieben Jahre verbringt er bei der Nymphe Kalypso, die ihm sogar Unsterblichkeit anbietet. Doch Odysseus will nach Hause.
Als er nach zwanzig Jahren schließlich in seine Heimat Ithaka zurückkehrt, ist sein Palast von Freiern besetzt, die Penelope zur Heirat drängen und davon ausgehen, dass Odysseus längst tot ist. Als Bettler verkleidet kehrt er unerkannt in sein eigenes Haus zurück. Erst nachdem er mit der Hilfeseines Sohnes Telemach die Freier getötet hat, gibt er sich Penelope zu erkennen. Doch die Frau, die 20 Jahre auf ihn gewartet hat, erkennt ihn nicht sofort. Odysseus muss beweisen, wer er wirklich ist.
Die Begegnungen der Odyssee konfrontieren Odysseus mit unterschiedlichen Gefahren, Versuchungen und Entscheidungen. Seine Irrfahrt kann als Ausbildung für Odysseus betrachtet werden, um das zu lernen, was er braucht um am Ende seiner Frau Penelope auf Augenhöhe begegnen zu können.
Odysseus ist ein König und großer Krieger. Seine größte Stärke besteht jedoch nicht in seiner Kraft, sondern in seiner List. Diese erlaubt es ihm, auch die größten Gegener zu besiegen. Die List ist nur ein Teil seiner Menschenkenntnis. Odysseus' Interesse an den Menschen, und vor allem auch Frauen, in seinem Leben, entwickeln sich im Laufe seiner Irrfahrt zu einer tiefen Weisheit. Zahlreiche lebensgefährliche Abenteuer überlebt er und auf seinem Weg verliert er alles, was er hatte und was er dachte zu sein. Nur eine Sache änderte sich nie: die Sehnsucht nach seiner Heimkehr zu seiner Frau Penelope.
Kirke, die Zauberin und Göttin, verwandelt Odysseus' Kameraden in Schweine. Fast tappt auch Odysseus selbst in diese Falle. Im letzten Moment jedoch erhält er Hilfe vom Götterboten Hermes. Die Ratschläge, die Hermes Odysseus erteilt, haben es in sich. Kirke solle schwören, niemals dem Odysseus zu schaden. Diese Weisheit trägt Odysseus bis nach Ithaka und hilft ihm letzten Endes auch die Begegnung mit seiner eigenen Frau Penelope zu meistern.
Alles, was einen Menschen glücklich macht, verheißen die Sirenen in ihren Liedern. Ihr Gesang ist so schön, dass die Männer, die ihn hören, nur noch das Bedürfnis haben, dem Gesang zu lauschen. Dieser Wunsch endet für sie tötlich denn sie vergessen dabei alles andere und verhungern beim Lauschen des Gesangs der Sirenen zu deren Füße.
Was treibt die Sirenen dazu, Männer in diesen Abgrund zu locken? Warum ist dies bis heute ein archetypisches Sinnbild?
Penelope ist eine der ambivalentesten weiblichen Figuren der griechischen Mythen. 20 Jahre wartet sie auf Odysseus und schafft es die Freier, die einen Anspruch auf den Thron erheben, durch ihre List hinzuhalten. Als sie Odysseus dann endlich wieder trifft, erkennt sie ihn erstmal nicht.
Wie kann das sein? Einen Hinweis darauf liefern uns der Blick in die frühe griechische Geschichte, in der Penelope als große Göttin verehrt wurde.
Kalypso, die atemberaubend schöne Nymphe, Göttin, lebt in einem Paradies, das selbst die Götter verzückt. Sie ist vernarrt in Odysseus und bietet ihm sogar die Unsterblichkeit an. Trotzdem beschreibt Odysseus, die 7 Jahre, die er auf ihrer Insel mit Kalypso verbringt, als das reinste Elend.
Wie kann es sein, dass er das Leben imParadies mit ihr ablehnt und sich nach seiner sterblichen, und im Vergleich zu Kalypso, unvolkommenen Frau zurück sehnt?
Agamemnon, der große und gefürchtete Heerführer der Griechen, wird direkt nach seiner Heimkehr aus dem Trojanischen Krieg von seiner Frau Klytaimnestra erschlagen. Odysseus soll dieses Schicksal nicht teilen. Aus Frank Lassners Perspektive dient seine lange Irrfahrt auch dazu, ihn auf seine eigene Heimkehr vorzubereiten. Auf seinem Weg lernt Odysseus, was er braucht, um seiner Frau Penelope nach 20 Jahren wieder auf Augenhöhe begegnen zu können.
Als er schließlich nach Ithaka zurückkehrt, findet er seinen Palast von 50 Freiern belagert. Seine Heimkehr endet in einer spektakulären Machtdemonstration.
Wie bleibe ich meinem Weg trotz aller Widerstände und Verlockungen treu? Dieser Frage musste sich Odysseus schon vor fast 3.000 Jahren stellen.
Auf seiner Irrfahrt muss er lernen, Gefahren rechtzeitig zu erkennen und ihnen zu entkommen. Er begegnet Frauen, die ihn begehren und bei sich behalten wollen, ohne sich dafür zu interessieren, was er selbst will. Und immer wieder trifft er auf Menschen, Götter und Wesen, die ihn von seinem Weg abbringen wollen. Manchmal sogar unter dem Vorwand der Liebe.
All diese Erfahrungen verändern Odysseus. Sie bereiten ihn schließlich darauf vor, nach zwanzig Jahren zu Penelope zurückzukehren und ihr auf Augenhöhe zu begegnen.
Genau deshalb beschäftigt uns die Odyssee bis heute. Sie stellt Fragen, die wir noch immer kennen: Wie finde ich meinen eigenen Weg? Was bedeutet Liebe, wenn wir die Freiheit des anderen ernst nehmen? Und wie können zwei Menschen miteinander verbunden sein, ohne sich selbst dabei zu verlieren?
Frank Lassner hat zwei Bücher über Odysseus geschrieben. Die Nacherzählung bietet einen zugänglichen, erzählerischen Einstieg in den Mythos. Das große Werk enthält diese Geschichte ebenfalls, geht aber weit darüber hinaus: Es untersucht die Figuren, Motive und Konflikte der Odysee und verbindet sie mit der Frage, wie sich die Beziehungen zwischen Mann und Frau über die Jahrtausende entwickelt haben.

Die Nacherzählung
Frank Lassner erzählt Homers Odyssee für heutige Leser neu. Im Mittelpunkt steht Odysseus und seine Irrfahrt nach dem Trojanischen Krieg: seine Begegnungen mit Kirke und Kalypso, den Sirenen, dem Kyklopen Polyphem und den vielen anderen Gestalten, die ihn auf seinem Weg nach Ithaka aufhalten.
Die Nacherzählung macht Homers fast 3.000 Jahre altes Epos unmittelbar zugänglich. Göttinnen, Ungeheuer, Verführungen und lebensgefährliche Abenteuer werden zu einer Geschichte, die sich spannend wie ein moderner Roman lesen lässt. Dabei bleibt der Charakter und die Gedankenwelt des antiken Originals trotzdem erhalten.
Die große Deutung
Das große Werk erzählt die Geschichte des Odysseus ebenfalls, geht aber weit darüber hinaus. Frank Lassner untersucht die Beziehungen zwischen Männern und Frauen, Helden und Göttinnen und fragt, welche Bedeutung die rätselhaften Gestalten und archaischen Ungeheuer haben, denen Odysseus auf seiner Irrfahrt begegnet. Seine Irrfahrt dient Odysseus dabei als Ausbildung, in der er lernt, wie eine Begegnung auf Augenhöhe zwischen Mann und Frau gelingen kann.
Für seine Deutung greift Frank Lassner auf seine jahrzehntelange Beschäftigung mit Menschheitsgeschichte, Mythologie, Religion, Anthropologie und weiteren Forschungsgebieten zurück. So wird aus Homers Abenteuergeschichte zugleich eine Untersuchung über Mann und Frau, Liebe und Freiheit und den eigenen Weg.
Odysseus ist der zweite Band einer Buchreihe über große mythische Gestalten und ihre Bedeutung für den Menschen von heute. Weitere mögliche Bände beschäftigen sich unter anderem mit der Orestie, Medea, Gilgamesch, Theseus und Herakles.
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Frank Lassner
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